Schaukeln

Widele, wedele, hinterm Städele
Hält der Bettelmann Hochzeit.

aus des Knaben Wunderhorn

 

Schaukeln

 

Wir sind auf gleicher Höhe,

ich steh, du sitzt und schwingst.

Es freut mich, was ich sehe:

Du glänzt? Ja allerdings.

 

Die Hände sind viel freier,

als sie‘s im Bette sind.

Ich spiel dich wie die Leier

mal hart und mal gelind.

 

Du kommst mir sehr entgegen,

mein Tun ist fast ein Ruhn,

die Schaukel ist ein Segen

und geil und opportun.

 

Ich halt dich an den Seilen,

wenn dich der Schwung entfernt,

du kannst mir nicht enteilen,

ich bin dir eingekernt.

 

Im Winkel unsres Hierseins

sind wir uns näher nah,

dem Drange unsres Tierseins

entfährt gestöhnt ein aah.

 

Wir sind so Tier wie kunstvoll,

du schaukelst akkurat.

Es ist dir meine Brunst hold

wie Text und Replikat.

 

Was sich uns traut vermittelt,

sind du und ich und wir,

und blieb auch unbetitelt

des Höhepunkts Delier.

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Die Fesselstange

Die Fesselstange

Sag mir, vor der Fesselstange
zwischen deinen Beinen
bist du nicht mehr länger bange?
Ei, das will ich meinen.

Einst beklagtest du das starre,
leblos Teil als ungeil,
warte, sagte ich, und harre
bis es dir wird wohlfeil,

deine Beine hochzuhalten,
während ich dich ficke.
Freier kann ich mich entfalten,
da ich nun erquicke

mit zwei Händen deine Leiblich-
keit und deine Brüste,
und das, wo so unbeschreiblich
weiblich deine Lüste.

Jetzt liegst vor mir auf dem Tische
du mir schwanzgerechte,
und mit aufgespreizter Ische,
brauchst im heiß Gefechte

du die Beine nicht mehr heben,
lässt sie einfach hängen,
über meinen Schultern schweben,
ohn‘ dich anzustrengen.

Freier können wir jetzt ficken!
An der Stang im Rücken
rhythmisch deine Fesseln klicken,
bis ich vor Entzücken

mich zu dir hinunterbeuge,
hoch dich haltend, und
mit dem Mund dein fein Gesäuge
leck dir prall und rund.

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Heb Dich, Liebe, über mein Gesicht

Heb Dich, Liebe, über mein Gesicht

Auf den Rücken lege mich,
stützte hoch ein wenig meinen Kopf,
sieh mich an und grätsche dich
über mein Gesicht. Fass mich am Schopf
und lass dich langsam auf mir nieder.

Erst so rum, dass dir mein Haar
fortsetzt unten das, das dir dort wächst.
Sieh dich an im Spiegel. Offenbar
dich und dir den Leib, den schön du reckst,
und meine Hände sind dir Mieder,

während du nach dein Begehr
drückst den Leibesspalt auf meinen Mund,
reibst dich wie du willst – und sehr.
Dreh dich um. Erstick mit dir mich und
betrachte meine zuckend Glieder.

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Rückenschmerzen

Rückenschmerzen

Ich ging mit dir allein spazieren,
um dies und jen’s zu diskutieren,
doch war’s nur Arbeit und ganz sachlich,
du bliebst wie immer nett und fachlich.

Der Wald war aufgeräumt und heiter,
und wären wir nicht redend weiter
als sonst gegangen – bis zu diesem Erdloch,
ich lebte frei und unbeschwert noch.

Halb zog es dich, halb sankst du hinne.
Bis wir der Lage endlich inne-
geworden, war’s um dich geschehen,
du konntest weder raus noch gehen.

Was fiel das schwer, dich hochzuziehen.
Doch schließlich ist’s so weit gediehen,
dass ich dich sogar tragen musste.

Wovon ich vorher gar nichts wusste:
wie angenehm es mir sein würde,
die duftige und warme Bürde
so eng an mich geschmiegt zu finden.
Da musste ich mich halt was schinden.

Seitdem hab ich zwar Rückenschmerzen
und lieb dich sanft nur, doch von Herzen.
Ich hoffe, dass, auch wenn ich heile,
ich gern bei dir bleib und verweile.


Quicksonett

Nicht mal ‘n Quickie ?

Du hast nicht mal die Zeit für’n Schäferstündchen,
so unter dates und Stress bist Du begraben?
Wenn du nicht schreist, dann fressen dich die Raben,
drum ruf mich an, dann komm ich für ein Ründchen.

Was du mir mailst, ist wirklich unerquicklich,
ich spring schon rappendoll im Drei- und Viereck,
du schaffst es noch und machst das rote Tier weg
und mich dann impotent. Wär dir das schicklich?

Drum frisch von vorn und hoppe, hoppe, Reiter!
Ich klopp dir im Galopp die Töneleiter
wie auf ‘nem Xylophon. Du wirst schon stöhnen

nach wenigen Sekündchen, dich verwöhnen
geht fix. Quatsch „Zeitnot“! Willst Du mich verhöhnen?
Du warst schon mal gescheiter! Und so weiter.


Unterholz

Unterholz

In solch Gestrüpp sind wir hineingeraten,
mein Rücken ist aufs Fleisch zerkratzt. Ich dachte,
mit meinem Leib dich doch zu schützen, lachte
beseelt, als wir uns im Gedränge nahten.

Es ist ein Atem manchmal knapp für zweie,
im Dornwald kann die Brust nur sacht sich dehnen.
Doch fürcht ich nichts, wir können jetzt belehnen,
was wir an Matrial gesammelt und an Treue.

Zur Lichtung ließe sich das Holz verbrennen,
das würd ein himmelhohes Feuer geben.
Solang wir uns jedoch im Fleisch erkennen

und uns mit Seufzern mehr als Worten nennen,
solang wir Einheit unsres Leibs erstreben,
bricht neu aus jedem Dorn und Zweig das Leben.

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Halt ein mein Lieb

Halt ein mein Lieb

Und nie mehr würd ich spüren, wie du mich begehrst?
Halt ein, halt ein, mein Lieb, bevor du uns versehrst.
Wir haben keine Chance als die, die du uns gibst,
es bleibt nichts andres übrig als – dass du mich liebst.

Wärn füreinander wir geschaffen und uns gleich,
der Lieb bedürft es nicht, doch wär es öd und seicht
wie Inzest. Grad der Unterschied macht uns so reich,
wir sind nicht Schicksal, das ein Gott uns eingefleischt.

Erinner dich daran, was du mir alles schriebst
und sagtest; daran, was du leiblich mit mir triebst.
Ist vorstellbar, dass du uns nicht wie ich entbehrst,
dass du dich achselzuckend alledem entleerst?
Halt ein, bevor du die Erinnerung entehrst.


Gute Besserung

Gute Besserung

Werd nur schnell gesund, drum bitt ich dich,
damit wir wieder Liebe machen können.
Kehrt sich mir doch wund und unsittlich
die Existenz nach außen, als gerönnen

unsre Stunden zur Vergangenheit.
Ich bring dich in die Gegenwart, ich mache
dich runder. Froh! Denn nicht? Dass ich nicht lache,
dich erkenne ich zu jeder Zeit.

Rein als Egoist, das weißt du doch,
ist mir an dir gelegen, bin verlässlich
ich für dein Wohlsein da. Das wär doch grässlich,
Mitleid, hmm? So nimm mich in dein Joch.

Lass mich dich in Liebe pflegen,
ich werd dich herzen, heilen, hegen.

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Melange

Melange
(Drinklied)

Die schäumende Milch deiner unkeuschen Denkungsart
Dein Geperle aus lustreichem Widerstand
Geschüttelte Longdrinks gemolkener Gegenwart
Suspensionen von Täuschung und Sehnsuchtssand.

Die Flirts schmecken wie ein Burgunder so seelenreich
Wie ein Cocktail zum prickelnden Zeitvertreib.
Dein Geistdestillat brennt erschreckend und kalt zugleich
Wenn ich dich zu mir nehm, dich mir einverleib.

Dein Sex, Deine Hingabe, Lustgequirl, Dein Genie
Rote Schlieren und honigtrüb die meiner Seel
Kristalle aus opalisierender Phantasie
Aus dem Mixer geschenkt sämtlich Recht und Fehl.

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Komm mit mir ins Hotel

Komm mit mir ins Hotel

Komm mit mir ins Hotel, Anette,
und lass der Zärtlichkeiten fette
Beute uns und unser werden.

Wir woll’n uns spielen und uns hören,
instrumentieren und betören,
heute leben hier auf Erden.

Ich weiß schon, was du bei mir orderst !
Zu bringen, was Du willst und forderst,
scheute ich mich nicht so sehr denn.

Nun hat ein Ende das Kasteien,
drum lass uns froh und leichthin seien
Leute ohne groß Beschwerden.

Wir würden in der Gästewanne
für eine kurze Lebensspanne
häuten uns und schön gebärden.

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