Archive for November, 2011

Nachbargleis

Das Band dehnte sich, streckte sich – und zerriss.

August Strindberg

 

Nachbargleis

 

Du saßest im Zug auf dem Nachbargleis,

ich musste erst hinter mein Spiegelbild sehn.

Es war fast, als folgte ich einem Geheiß –

oder doch einem Fluch? So schön warst Du, schön.

 

Fast schmerzte mich so viel Vollkommenheit,

da sah ich das Glück in deinem Gesicht,

und spürte in spiegelnder Gleichzeitigkeit,

wie meines erstrahlte in seinem Licht.

 

Zusammen noch rollten die Züge an,

zusammen noch glitten wir wie im Traum,

als führen wir in einem einz’gen Gespann

und gäb es für uns keinen Zwischenraum.

 

Und doch, das Band dehnte sich, streckte sich und –

wird nie ganz zerreißen, denn im Gedicht

werd ich deine Augen sehn und deinen Mund.

Solange ich schreibe, vergess ich dich nicht.

 

 

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Weshalb ich dich liebe

Weshalb ich dich liebe? Ach, wenn ich das wüsste,
ich könnt’s nicht begründen, selbst wenn ich es müsste.
Du hast schöne Augen und , ja, schöne Brüste,
ich war schon verliebt, noch bevor ich dich küsste.

Ich liebe wahrscheinlich doch deinen Charakter,
der ist kein so’n böser, hysterisch vertrackter.
Ich weiß, du bist nett und … kompakter, intakter,
das hält sicher länger als nur ein Einakter.

Das schönste von allem ist’s, mit dir zu schweigen,
wir müssen nichts sagen, es wird sich schon zeigen.
Und wenn dann gewisse Gefühle aufsteigen,
dann denk ich, ich lieb dich – und will’s nicht vergeigen

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après

aprés

Das Merkwürdigste ist
Dass das Leben danach
Einfach weitergeht

Als wär nichts geschehn
Während alles geschah
Das ist komisch

Denn man wäre gestorben
Dort im Einverständnis
Und starb kleine Tode

Man war nicht mehr
Der man war verschwand
In Vergangnem ist Neues

Jetzt und seltsam
Dass das Leben danach
Einfach weitergeht

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