Begehr

Nachbargleis

Das Band dehnte sich, streckte sich – und zerriss.

August Strindberg

 

Nachbargleis

 

Du saßest im Zug auf dem Nachbargleis,

ich musste erst hinter mein Spiegelbild sehn.

Es war fast, als folgte ich einem Geheiß –

oder doch einem Fluch? So schön warst Du, schön.

 

Fast schmerzte mich so viel Vollkommenheit,

da sah ich das Glück in deinem Gesicht,

und spürte in spiegelnder Gleichzeitigkeit,

wie meines erstrahlte in seinem Licht.

 

Zusammen noch rollten die Züge an,

zusammen noch glitten wir wie im Traum,

als führen wir in einem einz’gen Gespann

und gäb es für uns keinen Zwischenraum.

 

Und doch, das Band dehnte sich, streckte sich und –

wird nie ganz zerreißen, denn im Gedicht

werd ich deine Augen sehn und deinen Mund.

Solange ich schreibe, vergess ich dich nicht.

 

 

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Komm mit mir ins Hotel

Komm mit mir ins Hotel

Komm mit mir ins Hotel, Anette,
und lass der Zärtlichkeiten fette
Beute uns und unser werden.

Wir woll’n uns spielen und uns hören,
instrumentieren und betören,
heute leben hier auf Erden.

Ich weiß schon, was du bei mir orderst !
Zu bringen, was Du willst und forderst,
scheute ich mich nicht so sehr denn.

Nun hat ein Ende das Kasteien,
drum lass uns froh und leichthin seien
Leute ohne groß Beschwerden.

Wir würden in der Gästewanne
für eine kurze Lebensspanne
häuten uns und schön gebärden.

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