Hohe Zeiten

Seit dir

Aus den Titeln am Zeitungsstand
Setzt sich dein Name zusammen
Einzelne Züge von dir auf Bildern

Der Lärm der fernen Straße
Schwillt an, schwillt ab
Wie unser Pulsschlag

Am Flussufer, unter der Eisenbahnbrücke
Wirft der Junge einen Stein
Ich höre dich aufs Wasser schlagen

Das Grün ist grüner
Seitdem ich mit dir
Durch Wiesen ging.

Im Stau hupen Autos
Flink bemächtigt sich die Elster
Des Fallengelassenen

Jedes Summen des Handys
Jedes Tönen von Sirenen
bist du

Nicht, dass
Regentropfen
mich erschlagen

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künftig

künfig

kannst Du auf mich bauen und zählen,
du kennst mich in trugloser Nacktheit.
Was macht da schon unsre Vertracktheit,
grad drum kannst du schauen und wählen.

Ich bleib dir für immer gewogen,
ich heb mich dir auf und werd da sein,
und prüfst du mich, werde ich Ja schrein,
ich habe dich niemals betrogen.

Hast du einen Albtraum, dann ruf mich,
ich komm und nehm dich in die Arme,
bis deiner der Schlaf sich erbarme.
Du bist, wie du bist – wie du schufst dich.

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Disziplinlos

Disziplinlos

Reiß dich nur ja nicht zusammen
Gib dich mir her und sehr.
Der Liebeskampf zählt keine Schrammen,
Gieß in die blassblauen Flammen
Öl und die Seele und mehr.

Löse die Bänder des Herzens
Brich deine Achse entzwei
Du sein geht nicht ohne Schmerzen
Spring in Oktaven statt Terzen
Laut sing die Melodei.

Lebe dich groß und lebendig
Gib dich nur auf und sieh zu
Wie Du im Nu und inständig
Inniglich und unbändig
Wünschst so zu sein wie halt du

Denn:
Wir sind nicht des Fleisches Bewohner
Vielmehr sind wir selber das Fleisch
Ich bin dem du bist der Belohner
Du brauchst keinen Bildschirmschoner
Dir zeichnet nichts Trübes was weich

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Weshalb ich dich liebe

Weshalb ich dich liebe? Ach, wenn ich das wüsste,
ich könnt’s nicht begründen, selbst wenn ich es müsste.
Du hast schöne Augen und , ja, schöne Brüste,
ich war schon verliebt, noch bevor ich dich küsste.

Ich liebe wahrscheinlich doch deinen Charakter,
der ist kein so’n böser, hysterisch vertrackter.
Ich weiß, du bist nett und … kompakter, intakter,
das hält sicher länger als nur ein Einakter.

Das schönste von allem ist’s, mit dir zu schweigen,
wir müssen nichts sagen, es wird sich schon zeigen.
Und wenn dann gewisse Gefühle aufsteigen,
dann denk ich, ich lieb dich – und will’s nicht vergeigen

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après

aprés

Das Merkwürdigste ist
Dass das Leben danach
Einfach weitergeht

Als wär nichts geschehn
Während alles geschah
Das ist komisch

Denn man wäre gestorben
Dort im Einverständnis
Und starb kleine Tode

Man war nicht mehr
Der man war verschwand
In Vergangnem ist Neues

Jetzt und seltsam
Dass das Leben danach
Einfach weitergeht

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Schaukeln

Widele, wedele, hinterm Städele
Hält der Bettelmann Hochzeit.

aus des Knaben Wunderhorn

 

Schaukeln

 

Wir sind auf gleicher Höhe,

ich steh, du sitzt und schwingst.

Es freut mich, was ich sehe:

Du glänzt? Ja allerdings.

 

Die Hände sind viel freier,

als sie‘s im Bette sind.

Ich spiel dich wie die Leier

mal hart und mal gelind.

 

Du kommst mir sehr entgegen,

mein Tun ist fast ein Ruhn,

die Schaukel ist ein Segen

und geil und opportun.

 

Ich halt dich an den Seilen,

wenn dich der Schwung entfernt,

du kannst mir nicht enteilen,

ich bin dir eingekernt.

 

Im Winkel unsres Hierseins

sind wir uns näher nah,

dem Drange unsres Tierseins

entfährt gestöhnt ein aah.

 

Wir sind so Tier wie kunstvoll,

du schaukelst akkurat.

Es ist dir meine Brunst hold

wie Text und Replikat.

 

Was sich uns traut vermittelt,

sind du und ich und wir,

und blieb auch unbetitelt

des Höhepunkts Delier.

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Rückenschmerzen

Rückenschmerzen

Ich ging mit dir allein spazieren,
um dies und jen’s zu diskutieren,
doch war’s nur Arbeit und ganz sachlich,
du bliebst wie immer nett und fachlich.

Der Wald war aufgeräumt und heiter,
und wären wir nicht redend weiter
als sonst gegangen – bis zu diesem Erdloch,
ich lebte frei und unbeschwert noch.

Halb zog es dich, halb sankst du hinne.
Bis wir der Lage endlich inne-
geworden, war’s um dich geschehen,
du konntest weder raus noch gehen.

Was fiel das schwer, dich hochzuziehen.
Doch schließlich ist’s so weit gediehen,
dass ich dich sogar tragen musste.

Wovon ich vorher gar nichts wusste:
wie angenehm es mir sein würde,
die duftige und warme Bürde
so eng an mich geschmiegt zu finden.
Da musste ich mich halt was schinden.

Seitdem hab ich zwar Rückenschmerzen
und lieb dich sanft nur, doch von Herzen.
Ich hoffe, dass, auch wenn ich heile,
ich gern bei dir bleib und verweile.


Quicksonett

Nicht mal ‘n Quickie ?

Du hast nicht mal die Zeit für’n Schäferstündchen,
so unter dates und Stress bist Du begraben?
Wenn du nicht schreist, dann fressen dich die Raben,
drum ruf mich an, dann komm ich für ein Ründchen.

Was du mir mailst, ist wirklich unerquicklich,
ich spring schon rappendoll im Drei- und Viereck,
du schaffst es noch und machst das rote Tier weg
und mich dann impotent. Wär dir das schicklich?

Drum frisch von vorn und hoppe, hoppe, Reiter!
Ich klopp dir im Galopp die Töneleiter
wie auf ‘nem Xylophon. Du wirst schon stöhnen

nach wenigen Sekündchen, dich verwöhnen
geht fix. Quatsch „Zeitnot“! Willst Du mich verhöhnen?
Du warst schon mal gescheiter! Und so weiter.


Gute Besserung

Gute Besserung

Werd nur schnell gesund, drum bitt ich dich,
damit wir wieder Liebe machen können.
Kehrt sich mir doch wund und unsittlich
die Existenz nach außen, als gerönnen

unsre Stunden zur Vergangenheit.
Ich bring dich in die Gegenwart, ich mache
dich runder. Froh! Denn nicht? Dass ich nicht lache,
dich erkenne ich zu jeder Zeit.

Rein als Egoist, das weißt du doch,
ist mir an dir gelegen, bin verlässlich
ich für dein Wohlsein da. Das wär doch grässlich,
Mitleid, hmm? So nimm mich in dein Joch.

Lass mich dich in Liebe pflegen,
ich werd dich herzen, heilen, hegen.

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Melange

Melange
(Drinklied)

Die schäumende Milch deiner unkeuschen Denkungsart
Dein Geperle aus lustreichem Widerstand
Geschüttelte Longdrinks gemolkener Gegenwart
Suspensionen von Täuschung und Sehnsuchtssand.

Die Flirts schmecken wie ein Burgunder so seelenreich
Wie ein Cocktail zum prickelnden Zeitvertreib.
Dein Geistdestillat brennt erschreckend und kalt zugleich
Wenn ich dich zu mir nehm, dich mir einverleib.

Dein Sex, Deine Hingabe, Lustgequirl, Dein Genie
Rote Schlieren und honigtrüb die meiner Seel
Kristalle aus opalisierender Phantasie
Aus dem Mixer geschenkt sämtlich Recht und Fehl.

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