Pein

Herzmarinade

Herzmarinade

Drei Tage in Buttermilch und Rotwein
hast du das Herz mir mariniert.
Hast vorher durchwachsenen Speck
zwischen die feinen Fasern des Muskels geschoben,
trocken, sagst du, würde sonst das fettarme Fleisch.

Die Reste geronnenen Blutes hast du abgespült,
der Segelklappen sehnige Bänder gekappt
und mit kundiger Hand und geschliffener Klinge
beschnitten, was knorplig und ledern
sich deinem sanften Biss widersetzte.

Den Wildgeschmack rundend mit Süße und Säuren,
hast du’s mit Pflaumen und Äpfeln gefüllt
und zugenäht wie eine kostbare Börse
mit weißem Zwirn. Weiß, damit er
sich entfernen lässt, bevor du’s verzehrst.

Heiß brätst du’s nun an von allen Seiten
zischend und brutzelnd in Butterschmalz,
das vom selben Tiere genommen.
Pfeffer nicht sparst du und nicht an Salz
und löschst den Braten mit eben dem Sud,
in dem er drei Tage geschwommen.

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Unterholz

Unterholz

In solch Gestrüpp sind wir hineingeraten,
mein Rücken ist aufs Fleisch zerkratzt. Ich dachte,
mit meinem Leib dich doch zu schützen, lachte
beseelt, als wir uns im Gedränge nahten.

Es ist ein Atem manchmal knapp für zweie,
im Dornwald kann die Brust nur sacht sich dehnen.
Doch fürcht ich nichts, wir können jetzt belehnen,
was wir an Matrial gesammelt und an Treue.

Zur Lichtung ließe sich das Holz verbrennen,
das würd ein himmelhohes Feuer geben.
Solang wir uns jedoch im Fleisch erkennen

und uns mit Seufzern mehr als Worten nennen,
solang wir Einheit unsres Leibs erstreben,
bricht neu aus jedem Dorn und Zweig das Leben.

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Halt ein mein Lieb

Halt ein mein Lieb

Und nie mehr würd ich spüren, wie du mich begehrst?
Halt ein, halt ein, mein Lieb, bevor du uns versehrst.
Wir haben keine Chance als die, die du uns gibst,
es bleibt nichts andres übrig als – dass du mich liebst.

Wärn füreinander wir geschaffen und uns gleich,
der Lieb bedürft es nicht, doch wär es öd und seicht
wie Inzest. Grad der Unterschied macht uns so reich,
wir sind nicht Schicksal, das ein Gott uns eingefleischt.

Erinner dich daran, was du mir alles schriebst
und sagtest; daran, was du leiblich mit mir triebst.
Ist vorstellbar, dass du uns nicht wie ich entbehrst,
dass du dich achselzuckend alledem entleerst?
Halt ein, bevor du die Erinnerung entehrst.


Du bist das Buch mit sieben Siegeln



 

Du bist das Buch mit sieben Siegeln,

mit acht und einem mehr.

Ich weiß nicht, soll ich es entriegeln?

Es schimmert und ist schwer

 

und scheint so kostbar wie die Bibel.

Da schlägt’s von selbst sich auf.

Egal was drinsteht, nähm ich dir nichts übel,

ich lass den Dingen ihren Lauf.

 

Wenn nur sein Einband mich nicht blendet,

und drin wärs gähnend leer.

Wenn‘s schon beim Blättern mit ihm endet,

wo bliebe mein Begehr.

 

Doch kaum will ich es sorgsam lesen,

da schlägst du’s wieder zu.

Als wär mit uns nie was gewesen,

machst du dich zum Tabu.

 
 
 

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