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Bin ich ene Epikureer

Bin ich ene Epikureer ?

Nä, jo mer fott mit Epiktet,
dä Hunk, dä is mer doch zu blöd,
in minge Däts pass nur Lukrez,
weil dä hät och en Sinn für Feez.

Dat hann ich jän: „Wenn ich nix will,
dann bruch ich nit wie Ilsebill
mich flöck bekriesche wenn nix kütt.
däm, dä nix will, jeht nix verschütt.“

Dat is su jet vun extraschlau,
do drink ich leever ne Schabau
un söke wigger noh ming Loss,
un krich ich nix, hann ich Verdruss

un hann et ävver doch versök.
En staatse Kääl häld us un blök
nit rüm. Verleert hä mol e Spill,
dann säht hä „jod“ un is dann still.

Dä bruch för sing Ataraxie
kin kynisch-stoisch Apathie.
Dä fing sin jecke Eusthatie
un meededrin: Eudaimonie.

Prohairesis (Entscheidungsfähigkeit)
Ataraxia (Unerschütterlichkeit)
Eustháteia (innere Ruhe)
Eudaimonia (Glückseligkeit)
Apátheia (Beherrschung der Affekte)

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Herzmarinade

Herzmarinade

Drei Tage in Buttermilch und Rotwein
hast du das Herz mir mariniert.
Hast vorher durchwachsenen Speck
zwischen die feinen Fasern des Muskels geschoben,
trocken, sagst du, würde sonst das fettarme Fleisch.

Die Reste geronnenen Blutes hast du abgespült,
der Segelklappen sehnige Bänder gekappt
und mit kundiger Hand und geschliffener Klinge
beschnitten, was knorplig und ledern
sich deinem sanften Biss widersetzte.

Den Wildgeschmack rundend mit Süße und Säuren,
hast du’s mit Pflaumen und Äpfeln gefüllt
und zugenäht wie eine kostbare Börse
mit weißem Zwirn. Weiß, damit er
sich entfernen lässt, bevor du’s verzehrst.

Heiß brätst du’s nun an von allen Seiten
zischend und brutzelnd in Butterschmalz,
das vom selben Tiere genommen.
Pfeffer nicht sparst du und nicht an Salz
und löschst den Braten mit eben dem Sud,
in dem er drei Tage geschwommen.

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Treffliche

Treffliche,

dass verletzlich, dass eine Frau aus Fleisch
und Blut du bist, striembar, hingegeben
und Erde, wo ich Himmel in dir sah,
vermochte ich, betört von dir, nicht gleich
zu fassen. Wie aus einem andren Leben
schienst du mir, als würden nah
von meinem die Karten neu gegeben.

Dass die Trümpfe, die du am Körper hieltest,
ich später mit der Peitsche auf dir decken würde,
ich dachte nicht mal dran, als du wie eine Licht-
figur aus Projektion und Ferne, als zieltest
du auf nichts und trügest keine Bürde,
mir schienst, dem Schweren, wie ein Traumgesicht.
Zum Übersteigen dient der Lust die Hürde.

Dass deine Eleganz, Noblesse und Stimme
sich unterwerfen würden, mich zu schmücken,
zu ehren einen Mann, dem soviel Demut nicht gebührt,
nicht laut zu wünschen hätt ich mich getraut, schmerzschlimme
Dinge dir, wie du’s begehrest, anzutun. Berücken
wird mich immer neu, wie mich dein Hinknien hebt und rührt,
wie mich dein Ach und Weh und Gier beglücken.

Dass meine Herrschaft über dich nur Dienst tat,
die Statue in dir herauszumeißeln, mit Hieben
deine Schönheit dir zu zeichnen auf die Haut,
in deine Sicht auf dich, ich tu’s. Du schienst grad
stratosphärisch mir und liegst vor mir im Staub. Lieben
würd ich dich nicht wagen und liebe dich doch laut
und schäl willfährig die Idee aus deinen Trieben.

Dass, wenn du gefesselt und selbst wenn du hängest,
dir Haltung und Anmut neu eingefleischt werden,
ist, weil du bist, die du bist und bist, was ich mache.
Und wie, wenn ich stoße dich, du dich drängest
vor’m Abgrund mit deinem Leib an mich – wie sehr denn,
wie sehr bist du mir Person dann und bist meine Sache,
mir anvertraut und ausgeliefert hier auf Erden.

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Wunschkonzert

Du warst so lieb, lass dich belohnen
mit zwei, drei kleinen Perversionen.

Sag an, willst du gern endlos kuscheln
und mir Diminutive tuscheln?
Vielleicht soll ich dich so bestreicheln,
dass Gesten mehr als Worte schmeicheln,
und dir sanft wie ein Blümchen nicken,
bis schicklich Bienchen uns beglicken?

Hast du’s gern wie vom Missionare?
Was treiben sonst denn so die Paare?
Ah ja, da fällt mir ein: a tergo!
Ich bin nicht faul, mein Vöglein*, ergo
mach ich auch willig Soixante Neufe,
denn gern ich mich an dir besöffe.

Ich hab hier auch aus rosa Plüsche
paar Handschellen! Sensibel drüsche
ich auf dich ein mit meinem Schmeichel-
doch neunschwänzigem Lederpeitschel
und klatschte dir den Allerwerten
jungfräulich blassen Unversehrten.

Nun sprich, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind ? **

* Clemens Brentano
** Theodor Storm

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Seit dir

Aus den Titeln am Zeitungsstand
Setzt sich dein Name zusammen
Einzelne Züge von dir auf Bildern

Der Lärm der fernen Straße
Schwillt an, schwillt ab
Wie unser Pulsschlag

Am Flussufer, unter der Eisenbahnbrücke
Wirft der Junge einen Stein
Ich höre dich aufs Wasser schlagen

Das Grün ist grüner
Seitdem ich mit dir
Durch Wiesen ging.

Im Stau hupen Autos
Flink bemächtigt sich die Elster
Des Fallengelassenen

Jedes Summen des Handys
Jedes Tönen von Sirenen
bist du

Nicht, dass
Regentropfen
mich erschlagen

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künftig

künfig

kannst Du auf mich bauen und zählen,
du kennst mich in trugloser Nacktheit.
Was macht da schon unsre Vertracktheit,
grad drum kannst du schauen und wählen.

Ich bleib dir für immer gewogen,
ich heb mich dir auf und werd da sein,
und prüfst du mich, werde ich Ja schrein,
ich habe dich niemals betrogen.

Hast du einen Albtraum, dann ruf mich,
ich komm und nehm dich in die Arme,
bis deiner der Schlaf sich erbarme.
Du bist, wie du bist – wie du schufst dich.

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Disziplinlos

Disziplinlos

Reiß dich nur ja nicht zusammen
Gib dich mir her und sehr.
Der Liebeskampf zählt keine Schrammen,
Gieß in die blassblauen Flammen
Öl und die Seele und mehr.

Löse die Bänder des Herzens
Brich deine Achse entzwei
Du sein geht nicht ohne Schmerzen
Spring in Oktaven statt Terzen
Laut sing die Melodei.

Lebe dich groß und lebendig
Gib dich nur auf und sieh zu
Wie Du im Nu und inständig
Inniglich und unbändig
Wünschst so zu sein wie halt du

Denn:
Wir sind nicht des Fleisches Bewohner
Vielmehr sind wir selber das Fleisch
Ich bin dem du bist der Belohner
Du brauchst keinen Bildschirmschoner
Dir zeichnet nichts Trübes was weich

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Nachbargleis

Das Band dehnte sich, streckte sich – und zerriss.

August Strindberg

 

Nachbargleis

 

Du saßest im Zug auf dem Nachbargleis,

ich musste erst hinter mein Spiegelbild sehn.

Es war fast, als folgte ich einem Geheiß –

oder doch einem Fluch? So schön warst Du, schön.

 

Fast schmerzte mich so viel Vollkommenheit,

da sah ich das Glück in deinem Gesicht,

und spürte in spiegelnder Gleichzeitigkeit,

wie meines erstrahlte in seinem Licht.

 

Zusammen noch rollten die Züge an,

zusammen noch glitten wir wie im Traum,

als führen wir in einem einz’gen Gespann

und gäb es für uns keinen Zwischenraum.

 

Und doch, das Band dehnte sich, streckte sich und –

wird nie ganz zerreißen, denn im Gedicht

werd ich deine Augen sehn und deinen Mund.

Solange ich schreibe, vergess ich dich nicht.

 

 

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Weshalb ich dich liebe

Weshalb ich dich liebe? Ach, wenn ich das wüsste,
ich könnt’s nicht begründen, selbst wenn ich es müsste.
Du hast schöne Augen und , ja, schöne Brüste,
ich war schon verliebt, noch bevor ich dich küsste.

Ich liebe wahrscheinlich doch deinen Charakter,
der ist kein so’n böser, hysterisch vertrackter.
Ich weiß, du bist nett und … kompakter, intakter,
das hält sicher länger als nur ein Einakter.

Das schönste von allem ist’s, mit dir zu schweigen,
wir müssen nichts sagen, es wird sich schon zeigen.
Und wenn dann gewisse Gefühle aufsteigen,
dann denk ich, ich lieb dich – und will’s nicht vergeigen

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après

aprés

Das Merkwürdigste ist
Dass das Leben danach
Einfach weitergeht

Als wär nichts geschehn
Während alles geschah
Das ist komisch

Denn man wäre gestorben
Dort im Einverständnis
Und starb kleine Tode

Man war nicht mehr
Der man war verschwand
In Vergangnem ist Neues

Jetzt und seltsam
Dass das Leben danach
Einfach weitergeht

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